Von Bananen und Kiefern
Architektur
Die kanarische Architektur hat auch La Palma ihren Stempel aufgedrückt. Macht man eine grobe Unterscheidung nach städtischer und ländlicher Bauweise, so ist erstere mehr vom iberischen Festland bestimmt, von Andalusien, Portugal und Galicien. Besonders in Santa Cruz sind wohlproportionierte, kühle Innenhöfe in diesem traditionellen Stil erbaut worden: mit Holzgalerien und typischerweise sehr hohen Fenstern mit metallenen Balkongittern.
Die ländliche Bauweise wurde vom Klima und den vorhandenen Materialien traditionell beeinflusst. Das Ergebnis waren die typischen kanarischen Häuser, denen man auf La Palma immer noch auf Schritt und Tritt begegnet. Sie haben mächtige Steinwände, kleine Fenster, niedrige Türen, Dachziegel nach arabischer Art und im Innern die hölzernen Walmdecken. In den Räumen lebt man wie unter einem Zelt. Da die Mehrzahl der Palmeros nie besonders wohlhabend war, musste sich die normale Familie oft mit zwei kleinen Räumen begnügen. Wer mehr Geld hatte, konnte sich ein zweistöckiges Haus mit hölzerner Außentreppe und Balkon leisten.
Bananen
Zu Beginn des 19. Jhs., als eine Krise den Anbau von Zuckerrohr in den Hintergrund drängte, begann eine englische Gesellschaft mit dem Anbau der krummen Frucht. Weite Gebiete an den Küsten der Insel wurden terrassiert, über Rohre wurde Wasser herangeführt. Nach und nach entstand eine Monokultur, die für viele Jahrzehnte rentabel war. Bis heute werden auf etwa 30 km² rund 150 000 t Bananen im Wert von fast 1 Mio. Euro produziert. Die Kosten sind hoch, weil auf den oft engen Terrassen keine Maschinen eingesetzt werden können. Aktuell ist der Markt in der Krise, und nur Subventionen, die noch bis 2006 laufen, verhindern das Schlimmste. Die Produktion soll auf 120 000 t begrenzt werden.
Fauna
La Palma hat keine großen Wirbeltiere - sieht man einmal von den für die Jagd eingeführten Mufflons und den Kaninchen ab. Über die Felsen huschen Reptilien wie verschiedene Eidechsen- und Salamanderarten. Schlangen gibt es nicht. Die araña mamona, eine versteckt lebende Spinnenart, ist das einzige giftige Tier auf der Insel. Ihr Biss ist schmerzhaft, jedoch für den Menschen harmlos. In den Bergen fliegen kleine Tauben umher, und es gibt die graja, einen dohlenähnlichen Vogel mit roten Füßen und gleichfalls rotem Schnabel, der nur auf La Palma vorkommt. Zum Vogel des Jahres 1995 wurde die Silberhalstaube (Columba bollii) gekürt. Sie lebt nur noch auf den Kanarischen Inseln.
Flora
Auf La Palma wachsen in relativ enger Nachbarschaft subtropische und alpine Pflanzen. Etwa 1800 verschiedene Arten gibt es auf den Kanaren, seit der Conquista sind 600 aus allen Erdteilen eingeführt worden. La Palma allein hat 40 endemische Arten. Urig ist der Drachenbaum, ein Liliengewächs mit einer Höhe bis zu 20 m und einem Alter bis zu 3000 Jahren. Die Palmenarten sind Legion, und Laien fällt es schwer, einzelne zu unterscheiden. In den Trockenzonen und auf den Lavafeldern entwickelt sich im Frühjahr ein Blütenmeer, und zwischen den Kiefern der mittleren Zone wachsen Farne und Pilze. Es gibt zahlreiche Sukkulenten. Viele Kakteen tragen saftige Früchte, andere blühen still vor sich hin. Maulbeerund Feigenbäume ächzen im Sommer unter der Last ihrer Früchte. Im November werden die Maronen geerntet. Hinzu kommen die verschiedenen Früchte wie Papayas, Zitrusfrüchte, Mangos, Aprikosen, Pfirsiche, Bananen, Avocados, Ananas, Guaven, peramelones, Passionsfrüchte, Kaffee …
Folklore und Musik
Auf La Palma lebt die Folklore in den Menschen. Sie kehrt in die abendlichen Bodegas ein, mit spontanen Singversen, den coplas, und lebt auf den Volksfesten in den Dörfern mit Trachten und Musik. Die coplas spiegeln das Leben auf dem Land wider - mit seinen Freuden und Traurigkeiten. Die Volksmusik ist stark vom spanischen Mutterland beeinflusst, vermischt mit Zugaben aus Kuba und Venezuela. Neben Gitarre, Trommel, Flöte und Akkordeon spielt auch ein rein kanarisches Instrument eine Rolle, das timple. Das ist eine kleine, vier- oder sechssaitige Gitarre mit bauchigem Klangkörper.
Heutzutage ist nicht alles Folkloremusik, was so klingt. Die Musik unterliegt ständig Einflüssen und Entwicklungen, die ihrem eigentlichen Charakter nicht immer gut tun. Viele Bands haben sich der ursprünglichen Folklore angenommen und sie für den Geschmack der neuen Zeit bearbeitet. Damit ist immerhin zu ihrem Überleben beigetragen worden.
Guanchen
Ein Guanche war ursprünglich »ein Mensch von Teneriffa«; guan bedeutet abstammend, chinech bedeutet Teneriffa. Heute werden die Urbewohner aller Kanarischen Inseln Guanchen genannt. Man vermutet ihren Ursprung in Nordafrika. Endgültig geschlagen wurden sie 1496, und die spanischen Conquistadoren gingen hier mit gleicher Grausamkeit vor wie in ihren amerikanischen Kolonien. Der letzte palmerische Guanchenkönig war Tanausú. Er trat in den tödlichen Hungerstreik, als man ihn nach Spanien bringen wollte.
Die Guanchen waren ein überwiegend in Höhlen lebendes Volk. Sie ernährten sich von Ziegen und Schafen und von gofio, einem gerösteten Getreidemehl, das noch heute unter der Landbevölkerung zur täglichen Ernährung gehört.
Herzlich wenig haben uns die Guanchen hinterlassen. Auf La Palma gibt es einige Steinzeichnungen, die Petroglyphen, und darüber hinaus allerhand Fragmente ihrer Töpferkunst und ihrer Werkzeuge. Doch viele Sitten und Gebräuche haben Guanchenwurzeln, so beispielsweise der zurrón, der Beutel aus Ziegenhaut, in dem der Landmann seinen gofio walkt. Und auch die lucha canaria, der kanarische Ringkampf, stammt aus der Guanchenzeit.
Indianos
Bis in die Mitte des 20. Jhs. emigrierten zahlreiche Kanarios nach Amerika. Bevorzugte Länder waren Venezuela und Kuba. Über 3 Mio. Nachkommen kanarischer Einwanderer sollen heute in Amerika leben. Einige kamen zurück. Die es zu Geld gebracht hatten, kreuzten plötzlich mit amerikanischen Autos auf und imponierten ihren Landsleuten mit dem gemachten Vermögen. Man nannte sie Los Indianos. Sie prägten eine ganze Kultur, bauten sich großartige Häuser, die an die vorübergehende Heimat in der Karibik erinnerten, wie sie beispielsweise in Los Llanos noch zu sehen sind. Im palmerischen Karneval ist ihnen am Rosenmontag ein ganzer Tag und eine Nacht gewidmet: der Tag der Indianos. In dieser Nacht kleidet man sich komplett in Weiß, trägt Strohhüte und ausgestopfte Papageien auf der Schulter und raucht Zigarren, wie man es aus Kuba kennt.
Landwirtschaft
Die Landwirtschaft war immer und ist noch heute die Basis des palmerischen Wirtschaftsaufkommens. Steile Berge, schlechte Böden und starke Winde sind die naturbedingten Schwierigkeiten dieses Wirtschaftszweigs. Das Auf und Ab der Weltmärkte und politische Veränderungen beeinflussten in der Vergangenheit zusätzlich die palmerische Landwirtschaft. Ein Beispiel dafür ist der Niedergang des Zuckerrohranbaus wegen einer rentableren Produktion in anderen Ländern.
Lucha canaria
Wenn in den Bars die Männer einem sportlichen Ereignis auf dem Fernsehschirm folgen, dann kann es nur Fußball oder der heimische Ringkampf sein. Er wird auf allen Inseln gepflegt, und es gibt so etwas wie eine Oberliga. Es ist eine typisch kanarische Sportart, die in einer Mannschaftsstärke von zwölf Kämpfern ausgetragen wird. Es ringen immer zwei miteinander, und zwar in einem Kreis von 9-10 m Durchmesser. Verloren hat derjenige, dessen Körper (außer den Beinen) zuerst den Boden berührt.
Strände
Es gibt vier offizielle Strände, einen bei Los Cancajos - auch für Kleinkinder geeignet -, den Strand von Tazacorte, den Hafenstrand von Santa Cruz und den Strand von Puerto Naos. Südlich davon liegt Charco Verde, und wer unbedingt FKK braucht, kann das in Las Monjas haben. Ein sehr lebendiger, auch für Surfer geeigneter Strand ist Playa Nueva bei Puerto Naos. Ansonsten gibt es einige versteckt liegende Buchten, die oft schwer zugänglich sind. Bequem erreichbar sind die Badebuchten beim Leuchtturm von Fuencaliente südlich vom Flughafen und Playa Nogales nördlich der Hauptstadt bei Puntallana. Eine schöne, am Wochenende jedoch oft überfüllte Schwimmgelegenheit sind die Naturschwimmbecken Charco Azul bei San Andrés und weiter nördlich die Naturschwimmbecken La Fajana bei Barlovento. Vorsicht ist geboten, der Atlantik ist nicht die stille Ostsee und kann tückisch sein. Eine rote Flagge am Strand bedeutet: nicht baden; gelb heißt: bedenklich; grün signalisiert: unbedenklich.
Tourismus
Seit 1990 ist bei den palmerischen Behörden eine verstärkte Hinwendung zum Tourismus festzustellen. Man hat erkannt, dass er für die palmerische Wirtschaft eine immer wichtigere Rolle spielt, auch angesichts der Probleme im landwirtschaftlichen Sektor (Bananenkrise). Die Antwort darauf schien einerseits in einer verbesserten Infrastruktur, andererseits in der Besinnung auf traditionelle Werte zu liegen. Ein reger Bauboom setzte ein, nicht immer zur Freude aller Einheimischen. Straßen wurden erweitert, Tunnel sollten sie verkehrssicherer machen, im Norden wird an imposanten Brücken gebaut, die die Schluchten überspannen werden. In der Hauptstadt wurde die Calle O'Daly neu gepflastert, die Plaza España mit italienischen Platten belegt. In Tazacorte wird ein Hafen gebaut, der den Verkehr vom Hafen Santa Cruz abziehen wird. Eine zweite Tunnelröhre durch die Cumbre soll eine raschere Verbindung zwischen Ost und West schaffen. Zudem erinnerte man sich palmerischer Traditionen, um den Tourismus attraktiver zu machen, z. B. mit Museen wie dem Seidenmuseum in El Paso oder dem Weinmuseum in Las Manchas. Mühlen und Herrenhäuser werden renoviert, alte Kirchen strahlen in neuem Glanz. Jedes noch so geringe Andenken an alte Zeiten wird beschildert, den Touristen zuliebe dreisprachig. Wanderwege werden gepflegt und ausgewiesen, wie es die europäische Norm verlangt. Volksfeste werden organisiert, es wird mehr Geld für kulturelle Veranstaltungen ausgegeben. Wann der Flughafen vergrößert wird, ist da nur noch eine Frage der Zeit.
Wein
Schon im 16. Jh. wurde am englischen Hof Wein von den Kanaren, besonders der Malvasía von La Palma, getrunken. Er wurde vom Hafen im heutigen San Andrés verschifft. Politische Widrigkeiten jedoch verschlossen die Märkte für den kanarischen Wein, Krankheiten dezimierten die Rebfläche, und durch die Emigration nach Amerika lag das Land brach.
Heute bauen die Palmeros auf kleinen Flächen Wein an. Die Weinbauern stellen ihn in erster Linie für sich selbst her, es sei denn, sie sind einer der wenigen Kooperativen auf der Insel angeschlossen. Die Weine, meist Rotweine, jedoch zusammen mit weißen Trauben gepresst, sind leicht und trocken. Was der kleine Nebenerwerbswinzer übrig hat, geht in Bars, zu Privatleuten oder zu Kaufmannsläden. Der Bedarf an heimischem Wein, dem vino del país, ist kaum zu decken. Hinzu kommt, dass Festlandswein weitaus billiger ist als der La-Palma-Wein, sodass viele Bars Letzteren nicht führen.