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Allerlei Wissenswertes über Land und Leute, Flora und Fauna der Kanarischen Insel Fuerteventura:

Barrancos

Wenn im Winter die wenigen Regengüsse auf die Insel niedergehen, gräbt sich die zu Tal rauschende Flut tiefe Abflussrinnen in die Hänge - die Barrancos. Sie können sich zu Tälern ausweiten oder Schluchten bilden. Sehenswert sind die schluchtartigen Barrancos de Esquinzo, de los Molinos und de las Peñitas an der West- und der Barranco de la Torre an der Ostküste.

Bevölkerung

Fuerteventura ist die am dünnsten besiedelte der Kanarischen Inseln. Noch um 1940 lebten hier keine 14 000 Menschen. Heute liegt die Bevölkerungszahl bei 60 000 (ohne Feriengäste). Die Zunahme erfolgt vor allem durch Zuwanderung vom spanischen Festland und hängt mit der Entwicklung des Tourismus zusammen. Nur etwa ein Fünftel der Bevölkerung sind alteingesessene Insulaner, die majoreros. Sie stammen von drei Völkern ab: von Spaniern, zu deren Reich die Kanarischen Inseln seit dem 15. Jh. gehören, von Normannen, die mit dem Eroberer Jean de Béthencourt kamen, und von den Altkanariern, die hier schon vorher lebten.

Fauna

Nur wenige Vierfüßer sind auf der Insel beheimatet oder werden als Nutzvieh gehalten. Am auffälligsten sind die vielen streunenden Katzen und die kleinen Ziegenherden, die ungehütet weit übers Land ziehen. Dromedare, einst wichtig als Reit- und Zugtiere, fungieren heute nur noch als Touristenattraktion.

Unter den Wildtieren sind besonders Eidechsen zu nennen, die mit ihren Haftzehen bei der Insektenjagd auch auf senkrechten Wänden herumhuschen. Auch Wildkaninchen und Igel sind häufig. Zutraulich zeigen sich zuweilen die Erdhörnchen. Es gibt sie auf der Insel erst seit 1972, als ein Minenarbeiter ein Pärchen aus der Sahara mitbrachte, das ihm entkam. Schlangen und anderes giftiges Getier sind auf Fuerteventura unbekannt.

Vielfältig ist die Vogelwelt. Raben und die weißen Schmutzgeier leben von Aas, ebenso viele Möwen. Bussarde gehen auf Jagd nach Kleingetier. An ruhigen Stränden fallen die drolligen Sanderlinge auf, die in kleinen Trupps eiligen Trippelschritts im Ufersaum nach Nahrung stochern. In den Tälern des Westens ist der Wiedehopf zu Hause und in den Dünen im Inselnorden die seltene Kragentrappe. Ist ein Jahr mal etwas regenreicher, vermehren sich die Rebhühner stark. Die unscheinbare Wildform des Kanarienvogels trifft man an natürlichen Gewässern.

Das Meer um die Kanarischen Inseln ist sehr fischreich. In unterschiedlicher Entfernung zur Küste leben unter anderem verschiedene Barscharten, Makrelen, Schollen, Muränen, Grund- und Blauhaie, Nagelrochen, Schlangensterne, Seezungen, Schwert-, Tinten- und Thunfische. Sehr unangenehme Bekanntschaft kann man mit den Blasenquallen machen, die im Frühjahr besonders im Westen und Süden in Strandnähe kommen. Der Kontakt mit ihren langen Nesselfäden führt zu Hautverbrennungen und Lähmungserscheinungen.

Flora

Typisch für den Halbwüstencharakter der Insel ist die Kleinstrauchvegetation aus gelb blühendem Dornlattich und anderem Buschwerk. An die Trockenheit angepasst sind auch die rosettenartig wachsenden Fettpflanzen, die Euphorbiensträucher, die wie Kakteen aussehenden Säuleneuphorbien sowie die aus Mittelamerika stammenden Agaven, die zur Sisalgewinnung dienten. Aus Amerika eingeführt wurde auch der Feigenkaktus (Opuntie). Dieser ist Wirtspflanze der Cochenille-Schildlaus, aus der ein karminroter Farbstoff gewonnen wird. Seit der Entwicklung von Chemiefarben hat die Cochenillezucht jedoch fast aufgehört. In den Oasen wächst als einziger einheimischer Schattenspender die Kanarische Palme. Die in den Ferienanlagen gepflanzten Palmen kommen alle vom Festland. In ganzjährig Wasser führenden Barrancos wachsen Tamariskenhaine. Mimosensträucher verkünden mit ihren gelben Blüten im Februar das Nahen des Frühlings.

Viele Pflanzen stehen unter Naturschutz. Manche seltenen Pflanzenarten wurden sogar erst in jüngerer Zeit entdeckt, darunter einige, die ausschließlich auf Fuerteventura vorkommen.

Geografie und Geologie

Mit einer Fläche von 1730 km² - etwa das Doppelte von Gesamt-Berlin - ist Fuerteventura die zweitgrößte der Kanarischen Inseln. Sie liegt Afrika näher als alle anderen Inseln des Archipels (kürzeste Entfernung rund 95 km). Auf der gleichen geografischen Breite befinden sich auch Delhi und Mittel-Florida. Fuerteventura ist gut 98 km lang (Luftlinienentfernung zwischen dem Nordkap Punta de la Tiñota und dem Südwestkap Punta de Jandía). Geografisch gliedert sie sich in den Inselkörper Maxorata (nach ihm nennt man die alteingesessenen Insulaner majoreros) sowie in die Halbinsel Jandía im Süden.

Fuerteventura ist die älteste der Kanarischen Inseln und in ihrem Grundstock durch Hebung des Meeresbodens entstanden. Der größte Teil bildete sich vor 12 bis 22 Mio. Jahren. Daher ist sie auch stärker als die jüngeren Inseln durch Erosion abgeflacht. Der Vulkanismus kam später. Er erlosch vor spätestens 4000 Jahren.

Während die dunklen Sand- und Kiesstrände aus zermahlenem Lavagestein bestehen, sind die weißen bis goldgelben Sandstrände und Dünen aus Kalkablagerungen von Meerestieren in Inselnähe entstanden. Es handelt sich nicht um herangewehten Saharasand, wie oft behauptet wird. Fast weiße Kalksteinschichten, als Ablagerungen auf dem Meeresgrund entstanden, treten bei Puerto de la Peña auch oberirdisch zu Tage und sind dort in reizvollem Kontrast von schwarzer Lava überdeckt.

Klima

Dass die Insel das ganze Jahr über ein nahezu gleichbleibend angenehmes Klima bietet, liegt am Meer und am Passat. Das Meer nivelliert die Temperaturunterschiede, und das System der Passatwinde hält meist sowohl Regen bringende als auch trocken-heiße Luftmassen fern. So ist hier in der Regel ein gänzlich anderes Wetter als in der nahen Sahara. Nur die Trockenheit ist die Gleiche. Hierin besteht ein großer Unterschied zu den westlich gelegenen Schwesterinseln Gran Canaria oder Teneriffa. Dort schlägt sich die Feuchtigkeit des Passats an hohen Bergen nieder. Der mit 807 m höchste Gipfel Fuerteventuras ist zu klein, um hier einen nennenswerten Effekt zu erzielen.

Auch auf Fuerteventura jedoch kann das Wetter launisch werden. Da sind einmal die winterlichen Regenfälle. Sie entstehen, wenn sich das Passatsystem mit der Sonne so weit nach Süden verschiebt, dass sich von Norden und Westen her Tiefdruckgebiete auswirken. Dann kann es unangenehm kühle Tage geben. Ein anderes Mal, wenn heiße, staubhaltige Saharawinde (Schirokko) über die Insel hereinbrechen, steigt für ein paar Tage die Temperatur sprunghaft um 10 Grad oder mehr, und die Sicht sinkt auf 100-200 m. Der Passat weht gewöhnlich im Sommer am stärksten und kann durch den aufgewirbelten Sand besonders für Kleinkinder das Strandvergnügen beeinträchtigen. Im Winter dagegen ist zuweilen mit Flaute zu rechnen.

Mühlen und Wasserräder

Alle gemauerten Mühlen sind Getreidemühlen. Die Flügel, vier oder sechs, wurden mit Segeltuch bespannt. Obwohl der Wind meist aus nur einer Richtung weht, besitzen die Mühlen eine drehbar gelagerte Kappe mit einem rückwärtig hervorstehenden Balken, mit dem die Flügel neu ausgerichtet werden können. Gemahlen wurde auch von Hand oder mit Göpel, vor den ein Esel oder Dromedar gespannt wurde. Seit dem 19. Jh. dienen aus den USA importierte Windräder dazu, Brunnenwasser zu fördern.

Natur- und Umweltschutz

Das Ökosystem eines so von Trockenheit geprägten Landes wie Fuerteventura reagiert auf menschliche Einflüsse überaus sensibel und nachhaltig. Zum einen wachsen die Pflanzen wegen der Dürre sehr langsam, zum zweiten macht es der harte Boden Pflanzen schwer, sich anzusiedeln. Während sich unbedeckter Boden in Mitteleuropa innerhalb weniger Wochen begrünt, bleibt der Schaden an der Vegetation, den hier z. B. ein Jeep anrichtet, lange bestehen.

Schon seit Jahrhunderten übersteigt der Grundwasserverbrauch den Nachschub durch die Niederschläge. Der dadurch sinkende Grundwasserspiegel hat die Wüstenbildung nur noch mehr verstärkt.

Seit man - in größerem Maßstab ab den Fünfzigerjahren - Tomatenpflanzungen anlegte, hat sich das Problem verschärft, denn die zum Export bestimmten Früchte, die durch Sonnensegel vor dem vorschnellen Reifen geschützt werden, brauchen viel Wasser. Der Fremdenverkehr hat die ökologische Belastung weiter erhöht. Die größten Schäden verursachen allerdings die Ziegen, die nichts lieber fressen als junge Triebe. Mit einigen Zehntausend liegt die Zahl der Tiere um ein Vielfaches höher, als ökologisch verträglich wäre.

Der erste Naturpark der Insel wurde 1982 eingerichtet. Er umfasst die Wanderdünen bei Corralejo sowie die Insel Lobos. Inzwischen wurde ein großes Gebiet um Betancuria unter Schutz gestellt und fast die gesamte Halbinsel Jandía als Naturpark ausgewiesen. Hier sind nun auch größere Teile eingezäunt, um Ziegen und Geländefahrzeuge fernzuhalten. Insgesamt allerdings sind die Schutzmaßnahmen nur halbherzig; vieles steht nur auf dem Papier. Vor allem gegen querfeldein fahrende Geländewagen wird heute in den Naturschutzgebieten jedoch streng durchgegriffen. Beachten Sie, dass Abfälle im trockenen Klima nur langsam verrotten. Nehmen Sie daher auf Ausflügen alles wieder mit zurück.

Ringkampf »Lucha Canaria«

Beim kanarischen Ringkampf, der schon zu vorspanischer Zeit gepflegt wurde, treten die Kontrahenten (luchadores) aus zwei zwölfköpfigen Mannschaften einzeln gegeneinander an. Gekämpft wird über maximal drei jeweils dreiminütige Runden; Verlierer ist, wer zweimal mit einem anderen Körperteil als den Füßen den Boden berührt hat. Der runde Kampfplatz von rund 10 m Durchmesser ist mit Sand oder Sägemehl bedeckt. Viele Orte verfügen über eigene Ringkampfarenen. Turniere gehören zu allen festlichen Anlässen. Die wahren Meister, die alle 43 möglichen Griffe beherrschen, sind Berühmtheiten wie andernorts die Fußballstars.

Verwaltung

Fuerteventura bildet mit Lanzarote und Gran Canaria die spanische Provinz Gran Canaria. Auf der Insel regiert in Puerto del Rosario das Cabildo Insular als Inselverwaltung. Das Inselterritorium selbst gliedert sich wiederum in sechs Hauptgemeinden (Antigua, Betancuria, Oliva, Pájara, Puerto del Rosario und Tuineje), an deren Spitze je ein gewählter Gemeinderat und ein Bürgermeister stehen.

Wasser

Der Mangel ist groß. Es regnet zu wenig, und von dem, was kommt, rauschen acht Zehntel ungenutzt ins Meer. Schon vor Einführung der Windräder, als der Grundwasserspiegel noch nicht so weit abgesunken war, nötigte der Mangel zu Klugheit im Umgang mit dem kostbaren Nass. Daher terrassierte man die Felder und legte Auffang- und Absetzbecken an den Hängen sowie häusliche Zisternen an. Für die Nutzung als Trinkwasser musste das Zisternenwasser aufbereitet werden; Sickerbecken aus Kalksandstein sind in einigen Museen zu sehen. Grundwasser förderte (und fördert) man aus gemauerten Brunnen (pozos), entweder mit Windkraft oder durch Tiere am Göpel. Auch dieses Wasser wird in gedeckten Bassins gespeichert. Es ist meist nur als Brauchwasser (zur Bewässerung) oder für die Tiertränke verwendbar. Nachdem sich Stauseen zur Behebung der Wasserknappheit als untauglich erwiesen haben, da sie sich mit Lehm und Geröll zusetzen, muss der erhöhte Wasserbedarf, der durch den Fremdenverkehr und andere Faktoren entstand, durch Meerwasserentsalzungsanlagen gedeckt werden. Die Verteilung des Wassers erfolgt heute vorwiegend durch Leitungen, doch viele sind auch noch auf den Einsatz von Wassertankwagen angewiesen.

Wirtschaft

Einst galt Fuerteventura als Kornkammer der Kanaren, heute zeugen davon nur noch die zahllosen brachliegenden Terrassenfelder. Mit der Ziegenhaltung ist ebenfalls kaum noch Geld zu verdienen. Gefischt wird nur mit kleinen Booten für den Konsum auf der Insel selbst. Einzig die Tomatenpflanzungen und der Aloe-vera-Anbau im Süden besitzen noch wirtschaftliche Bedeutung. Der Tourismus auf Fuerteventura entwickelte sich relativ spät. Noch 1968 waren nur 1400 ausländische Gäste gekommen, heute sind es weit über eine Million im Jahr. Fast die gesamte Inselwirtschaft ist davon abhängig.