Das Leben auf Ibiza und Formentera ist vielseitig; hier finden Sie wichtige Aspekte
Architektur
Aus der Ferne wirken manche Dörfer wie Schachtelwerke aus weißen Kuben - die würfelförmigen Bauelemente scheinen wie miteinander verwachsen. Andernorts vermitteln einsame Bauernhäuser den Eindruck von kleinen Bastionen, stoßen Fremdlinge regelrecht ab. All das ist kein Zufall, sondern typisch für die ländliche Architektur, die sich an historische Einflüsse aus der maurischen Welt und des östlichen Mittelmeerraums anlehnt. Das über zahlreiche Menschenzeitalter gepflegte Konzept beim Hausbau basierte weniger auf ästhetischen Vorlieben, denn auf nüchterner Zweckmäßigkeit. Stets hatte man die klimatischen Gegebenheiten vor Augen. Dicke Mauern und kleine Fenster halten Hitze und Kälte zurück, das Kalkweiß reflektiert die Sonnenstrahlen. Über das von innen mit wuchtigen Balken gestützte Dach kann das Regenwasser direkt in die Zisterne ablaufen. Und um den Eintritt kühlerer Nordwinde zu vermeiden, legte man die Haupteingangstür an die Südseite. Einblicke in traditionelle Baustrukturen erhalten Reisende von heute in restaurierten Landhäusern, die zu Hotels umfunktioniert wurden. Nicht ganz stilecht allerdings: Bad mit Dusche gab es in früheren Zeiten nicht!
Fauna
Weit gefehlt, wer auf den Inseln einzig schräge Vögel vermutet. Inmitten einer vielgestaltigen Vogelwelt halten Ornithologen Ausschau nach dem seltenen Fischadler (Pandion haliaëtus) und der zur Familie der Kormorane gehörenden Krähenscharbe (Phalacrocorax aristotelis), die es auf eine Größe von 75 cm bringt und an ihrem hakenförmigen Schnabel erkennbar ist. Die Krähenscharbe lebt ebenso an den Felsenküsten wie die Weißkopfmöwe (Larus cachinnans), die Korallenmöwe (Larus audouinii) und der Gelbschnabel-Sturmtaucher (Calonectris diomedea). Gelegentlich taucht der Eleonorenfalke (Falco eleonorae) auf, ein kleiner Raubvogel, der sich im Spätherbst in die afrikanischen Winterquartiere aufmacht und im Frühling zurückkehrt. Wer Glück hat, bekommt in den Salinen Rosa Flamingos (Phoenicopterus ruber) vors Fernglas oder das Objektiv. Darüber hinaus findet man diverse Eulen- und Reiherarten, während sich das restliche Wildlife nicht allzu spektakulär ausnimmt. Dazu zählen Kaninchen und Igel, Feldmäuse und Eidechsen sowie Restbestände der Ginsterkatze (Genetta genetta) und des Steinmarders (Martes foina). Giftige Tiere braucht man auf den Inseln zum Glück nicht zu fürchten!
Flora
Knorrige Oliven-, Orangen-, Zitronen-, Feigen-, Johannisbrot- und Mandelbaumhaine versprühen ein hohes Maß an mediterraner Exotik. Inselweit charakteristisch ist die Aleppokiefer (Pinus halepensis) mit ihrer schirmartigen Krone sowie der oftmals verkrüppelt wirkende Phönizische Wacholder (Juniperus phoenicea). Hinzu gesellen sich Zwergpalmen, Mastixsträucher, Zistrosen, Oleander, Strandflieder und ibizenkischer Ginster. Außerdem sind über 20 verschiedene Orchideengewächse dokumentiert, in den Salinen kommen verschiedene Binsenarten vor. Wer durch die Natur streift, wird sich an der Vielfalt kaum satt sehen und riechen können, denn Rosmarin, Thymian oder Lavendel verbreiten überall ihren würzigen Duft.
Folklore
Ohne einen Gedanken an touristische Showtime zu verschwenden, pflegen die Insulaner ihre Folklore und haben sich mancherorts in Volkstanzgruppen (colles de ball pagès) zusammengeschlossen. Die vier wichtigen Tänze heißen La Llarga, La Curta, Les Nou Rodades und La Filera. Während sich die Frau mit sanften Bewegungen eher zurückhält, vollführt der Mann um sie herum regelrechte Tanzsprünge. Für den musikalischen Rahmen sorgen Flöten, Trommeln und außergewöhnlich große Kastagnetten. Bei den Trachten schwingen orientalische Einflüsse mit, die Frau legt an hohen Festtagen traditionsgemäß ihre wertvolle Gold- und Korallenkette an, die emprendada. Die Männer kommen schlichter daher. Weiße Hosen, rote Schärpen, rote Mützen sowie einfaches Schuhwerk aus Hanf und Segeltuch (espardenya) zählen zu ihrer typischen Festtracht.
Katalanisch
Der 8. August des Jahres 1235 war von entscheidender Tragweite und markiert im Rückblick den wichtigsten Tag der Lokalgeschichte. Damals stürmten die Katalanen auf Geheiß ihres expansionsfreudigen Königs Jaume I. die Insel Ibiza und drückten den Pityusen fortan mit Kultur und Sprache ihren Stempel auf. Erhalten hat sich bis heute das Katalanische (català), das hier in einer für Außenstehende kaum wahrnehmbaren Dialektvariante gesprochen wird und nicht zuletzt als Ausdruck regionalen Selbstbewusstseins gilt. Katalonien steht den Bewohnern Ibizas und Formenteras halt näher als das stets mit Gedanken an Zentralgewalt verknüpfte spanische Kernland mit seinem behördlichen Wasserkopf Madrid. Die auf den Inseln verbreitete Zweisprachigkeit ist für Auswärtige mitunter schwer nachvollziehbar. Jeder Einheimische spricht im Regelfall Spanisch, aber nicht immer català. Manche Gemeinden bieten spezielle Katalanisch-Intensivkurse für Erwachsene an. Im Reisealltag sieht man Verkehrsschilder durchweg auf Katalanisch, während sich bei Adressenangaben gelegentlich nur spanische Ausdrücke finden.
Promis
Auf den Inseln gewittert es öfter als man denkt. Gemeint sind fotografische Blitzlichtgewitter, unter denen die Promis erstrahlen. Vor allem im Sommer tummeln sich Stars und Sternchen aus Film und Fernsehen, aus dem Showbizz und der Modebranche auf den Pityusen. Spaniens Gazetten berichten vom bunten Treiben, ob in den Megadiskos oder an der Marina Botafoc in Eivissa. Die Liste bekannter Inselbesucher liest sich wie ein Who-is-who des internationalen Showgeschäfts. Was seinerzeit mit Roman Polanski, Ursula Andress und Nina Hagen begann, hat sich bis in unsere Tage mit Madonna, Elle McPherson, Eros Ramazzotti und Kultregisseur Pedro Almodóvar fortgesetzt. Auch Fußballgötter und Spaniens Royals werden immer wieder gesichtet - Promi-Alarm!
Salinen
Die Tradition der Salzgewinnung reicht in phönizische Zeiten zurück. Um Haaresbreite wäre es vor Jahren allerdings um Ibizas Salzbecken geschehen gewesen, weil Bauprojekte die alten Strukturen zu verdrängen drohten - doch Umweltschützer gingen auf die Barrikaden und bereiteten den Weg zum Triumph über die Spekulanten. Heute gehört die ökologisch wertvolle Landschaft zusammen mit Dünen und Stränden wie Es Cavallet und Ses Salines zum Parque Natural de ses Salines d'Eivissa i Formentera, in dem über 200 Vogel- und rund 180 Pflanzenarten vorkommen.
Umwelt- und Naturschutz
Groß haben sich die Pityusen das Thema Natur auf die Fahne geschrieben; allein auf Ibiza stehen mehr als 40 Prozent der Oberfläche unter Schutz. Zwischen dem Süden Ibizas und dem Norden Formenteras breitet sich der vor wenigen Jahren gesetzlich verankerte Parque Natural de Ses Salines aus, der auf seinen knapp 12000 ha Salinen, Strände, Dünen, Klippen und die Meereszonen samt kleineren Eilanden umfasst.
Neid erweckend ist die Sauberkeit vieler Strände, von denen eine ganze Reihe bereits mit der "Blauen Flagge" geadelt wurden. Um die Dünen zu schützen, wurden in den letzten Jahren zaunflankierte Holzstege für die Besucher angelegt. Gleich daneben mahnen Schilder, die fragilen Ökosysteme nicht zu betreten.
Auf den Inseln mangelt es an natürlichen Quellen, zum mediterranen Klima gehören lange Trockenperioden. Das Nass ist knapp und kostbar, sodass die lokalen Behörden mit Appellen wie "Sparen Sie Wasser im Urlaub!" Feriengäste für die Belange der Umwelt zu sensibilisieren versuchen. Müll ist ein weiteres Dauerthema, das unter den Nägeln brennt. Auf Formentera zum Beispiel bleibt bislang keine andere Wahl, als die Abfälle nahe dem Cap de Barbària "offiziell kontrolliert" abzuladen - sicher keine Lösung für die Ewigkeit und dem Reinlichkeitsgehalt der Luft nicht gerade zuträglich.
Wachtürme
Klobig und erhaben stehen sie dort, trotzen seit Jahrhunderten Wind und Wetter: die Wachtürme auf den Pityusen, die von einstmals unruhigen Zeiten künden. Geriet ein Piratenschiff in Sicht, entzündeten die Wächter auf dem Dach ein weithin sichtbares Warnfeuer. Statt ebenerdiger Türen verfügten die Türme meist über einen kleinen Einstieg auf halber Höhe, zugänglich nur über Strickleitern. Heute haben die Rundbauten ihre Funktion eingebüßt, sind nichts weiter als monumentale Zierde in herrlichen Lagen hoch über der Küste. Manche erreicht man nur zu Fuß, betreten oder besteigen darf man sie nicht.
Weinbau
"Es hatte mich immer gewundert", sagt Juan Bonet Riera, "wie wir auf Ibiza aus derart guten Trauben einen solch üblen Wein machen konnten." Sein Vater sei keine Ausnahme gewesen, auch er habe den Most mehr schlecht als recht home-made gären lassen. Anfang der 1990-Jahre entschloss sich der eigentlich im Tourismus tätige Juan, aus seinem Hobby einen Beruf zu machen und den vormals nebenher betriebenen Weinbau auf eine professionelle Basis zu stellen. Damit leistete er wahre Pionierarbeit auf seiner Insel. Er kaufte ein paar Erbgrundstücke der Familie zusammen, hegte und pflegte die Pflänzchen und experimentierte nach Herzenslust - bis er vom Resultat überzeugt war und die ersten Tropfen seiner bei Sant Mateu d'Albarca gelegenen Bodega Sa Cova (siehe S. XX) auf den Markt brachte.
Juan Bonet Rieras mittelfristiger Traum: endlich eine geschützte Qualitäts- und Herkunftbezeichnung, die denominación de origen, für die lokalen Weine zu erlangen. Keine Frage, die vollmundigen Tropfen hätten es wirklich verdient. Für viele Fremde ist die Begegnung mit Ibizas sonnengereiften Weinen ohnehin Liebe auf den ersten Schluck.